Das Staffelspiel

Автор: Bundesarchiv, Bild 183-41708-0008 / Wendorf; Wlocka / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5665376

Anna und ich haben heute mit einer Kindergruppe von Achtjährigen gearbeitet. Sie waren ziemlich lebhaft, aber insgesamt gut erzogen und wir haben mit ihnen einige Bouldervorbereitungsspiele gemacht. Das letzte Spiel stellte ein Staffelspiel dar, währendessen zwei Teams wetteiferten, um die meisten Karten von einem Stapel am Gipfel der Kletterwand zu sammeln. Plötzlich wurden viele der Kinder zu Hooligans, die sich die Lunge aus dem Hals schrien, um die Mannschaftskameraden anzufeuern. Dagegen wurden die langsamsten unter den Kindern stigmatisiert und dann die Mitglieder der Verlierermannschaft ein bisschen verspottet. Im Grunde ist nichts schlimmes passiert, aber es beeindruckt mich sehr, wie tief der Wettbewerbgrundsatz schon von so kleinen Wesen verinnerlicht wurde. Damit will ich nicht die Wettbewerbe verteufeln: Bestimmt können sie in verschiedenen Zusammenhängen nützlich sein. Jedoch frage ich mich inwiefern diese so durchdringende und frühzeitige Verinnerlichung der Konkurrenz Schaden verursachen kann, den langfristig die ganze Gesellschaft bezahlen muss. Zum Beispiel wie die Frustration dadurch geschürt wird, denn wir neigen dazu, uns immer und zwangsneurotisch mit den anderen zu vergleichen. Oder ob diese Verinnerlichung vielleicht etwas mit der verbreiteten Neigung zu tun hat, unsere Mitmenschen als Konkurrenten, wenn nicht als Gegner, aufzufassen. Ich hoffe, dass es nicht pathetisch klingt, aber wir denken gerade darüber nach, die Spielregeln zu verändern: das nächste Mal laufen alle zusammen gegen die Zeit. Sie sollte wahrscheinlich von niemandem verspottet werden.


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