In einem Kapitel von Benediction, ein schöner Roman von Kent Haruf, werden Teile der Bergpredigt gelesen. Deswegen bekam ich Lust den ganzen Sermon wieder zu lesen. Als ich die Passage las, die lautet: “Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht. Ich sage euch, dass auch Salomo in aller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen”, ging mir ein Licht auf. Hinter diesem Bild stand eine Entdeckung, die ich in der Vergangenheit gemacht hatte und jetzt wiederfinden wollte. Ich musste eine ganze Weile darüber nachdenken, bevor ich mich erinnern konnte. Es handelte sich um die Gedanken, die der Lesung dieses Artikels folgten. Der Autor des Artikels, Peter Kammerer, zitiert folgendes, bewegendes Fragment aus Keynes:
“Ich sehe also für uns die Freiheit, zu einigen der sichersten und gewissesten Grundsätze der Religion und herkömmlichen Tugend zurückzukehren: das Geiz ein Laster ist, das Verlangen von Wucherzinsen ein Vergehen, die Liebe zum Geld verächtlich, und dass diejenigen, die sich am wenigsten um den Morgen sorgen, am wahrsten in den Pfaden der Tugend und maßvoller Weisheit wandeln. Wir werden die Zwecke wieder höher werten als die Mittel und werden das Gute dem Nützlichen vorziehen. Wir werden wieder diejenigen ehren, die uns lehren, wie der Stunde und dem Tag tugendhaft und gut gerecht zu werden, jene köstlichen Menschen, die zu einem unmittelbaren Genuss der Dinge fähig sind, die Lilien des Feldes, die sich nicht mühen und die nicht spinnen”.
Ich finde die Macht dieser Worte ausgezeichnet, sie lösen eine Lawine angenehmer Bilder in mir aus. Die Freiheit den Sachen einen Wert zuzuschreiben, die keinen materiellen Vorteil mitbringen: beispielsweise dem Duft der Minze, einem witzigen Akzent, den Lichtern des Sonnenuntergangs. Denn, wenn nur wichtig wäre, was uns dick oder sicherer werden lässt, gäbe es nicht etwas verzweifelt selbstverständliches in unseren Leben? Und ist es nicht dank dieser Freiheit, dass wir es schaffen den drückendsten Imperativen des do ut des Logiks auch im Feld menschlicher Beziehungen zu entfliehen (und damit Subjekte zu werden)? Der Zweifel, dass zwischen den Lilien des Feldes viel Bedeutung steckt, kitzelt mich sanft. Vielleicht soviel Bedeutung, dass, auch wenn das Feld sich nur als eine infinitesimale Insel oder ein sehr kurzer Zufall in der Geschichte des Universums erweisen sollte, es trotzdem gut gehen würde.